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• Nunchaku • Nunchaku ヌンチャク Nunchaku gehören zu den Waffen des Ryūkyū Kobudō, die etwa ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert klassifiert wurde. Hierzu zu zählen sind auch Varianten wie Sanbon Nunchaku, Sansetsukon, u.a. Nunchaku werden in verschiedenen Stilen des Kobudō geübt. Eine Linie von Techniken Techniken (Waza) des Nunchaku wurden von Kanegawa no Gibu begründet und dessen Enkel Taira Shinken klassifiziert.
Es ist nicht ganz unwichtig das sie "erst" etwa ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert klassifiert wurden, denn darin unterschieden sie sich von z.B. Bō und Sai, von denen mitunter wesentlich ältere Formen überliefert wurden. Ich gehe davon aus, dass dies mit der Abschaffung des Königreichs Ryūkyū 1872/1879 und der Gründung der japanischen Präfektur Okinawa zusammenhängt. Der Platz ist hier allerdings etwas begrenzt, deshalb nur kurz: Die quasi-militärischen Beamtenränge des Königreichs verloren ihre offiziellen Funktionen (auch Schutzfunktionen). Z.B. wird von Kanegawa no Gibu, dem Großvater Taira Shinkens, berichtet, dass er einst dem Adel angehörte, mit der Abschaffung des Königreichs dieses Privileg jedoch einbüste und sich nachdem der Landwirtschaft widmen musste. Kanegawa Gibu war ein Vorreiter der Techniken mit Surujin, Tekkō und Tenbê. All diese Bauernwaffen traten aber in klassifizierter Form (Kata) erst nach der Abschaffung des Königreichs auf! Zur Kategorie des Nunchaku gehören weitere Varianten: dreiteiliger Knüppel (Sanbon Nunchaku oder Sansetsukon; je nach Größe in den Varianten Dai 大, Chū 中 und Shō 小) und viertreiliger Knüppel (Yonsetsukon). Nunchaku werden in verschiedenen Stilen des Kobudō geübt und Bruce Lee übte (lernte?) diese Waffe mit einem okinawanischen Meister. Im Folgenden möchte ich hier einige Anhaltspunkte geben, auf Basis meiner Übersetzung des "KO MATAYOSHI SHINPŌ TSUITŌ. Matayoshi Kobudō Tōde-dō Kokusai Enbu Taikai," einem auf Japanisch verfassten "Ausstellungskatalog" zum Enbu Taikai, welches zu Ehren des verstorbenen Matayoshi Shinpō abgehalten wurde. Ich habe einige Erklärungen eingefügt, u.a. da die Begriffe in Chinesisch, Japanisch und Okinawanisch gegeben sind. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass mir mein Freund Xiaoxing Zhu dabei geholfen hat, die chinesische Aussprache zu bestimmen. Der Leser sollte möglichst die japanische Sprachunterstützung installiert haben.
Sōsetsukon 双節棍 (zwei verbundene Knüppel) Das japanische Kon 棍 wird Chinesich Gun und Okinawanisch Kun ausgesprochen. Die Zeichen für Sōsetsukon 双節棍 werden Chinesisch Shuangjiegun ausgesprochen. Auf Okinawanisch wird diese Waffe Nunchaku ヌンチャク genannt. Nunchaku werden analog den alten chinesischen Waffen Shaozigun 哨子棍 [1] und Sanjiegun 三節棍 (jap.: Sansetsukon; "drei verbundene Knüppel") gehandhabt. Im Gebiet der chinesischen Provinz Fujian und der dortigen Hafenstadt Fuzhou wurden der dreiteilige Knüppel und der "zweiteilige Knüppel" (Ryōsetsukon 両節棍) geübt, die von der Handhabung her gleich den okinawanischen Nunchaku sind. Im Dialekt des Gebietes um Fuzhou wird es Nunchiekun ヌンチェクン ausgesprochen. Nunchaku ist also die okinawanische Aussprache für die im Fuzhou-Dialekt Nunchiekun genannte Waffe und bedeutet „zwei verbundene Knüppel.“ Die beiden Schlägel des Nunchaku sollten etwa länger als der eigene Unterarm sein und sind aus Kashi (Eiche) gefertigt. Der Unterschied zwischen China und Ryūkyū/Okinawa ist die Verbindung der Knüppel: in China mit einer Kette und Okinawa mit einem Strick, ansonsten sind sie nahezu identisch. Die ursprüngliche Idee des Nunchaku auf Okinawa soll bereits nach der Unterwerfung von Ryūkyū durch die Satsuma-Samurai (1609) stammen, wo die Nunchaku möglicherweise als Selbstverteidigungswaffe der Frauen gedacht waren (wofür es verständlicherweise keine schriftlichen Belege gibt). Möglicherweise entstanden diese Geräte auf Okinawa aus einem Kūra クーラ genannten Werkzeug zur Bearbeitung der Schale von Bananenstauden (Bananenstauden bildeten die Grundlage für den Bashōfu, den bunten "Bananenstoff" aus dem die Stoffe Okinawas hergestellt wurden). Diese Waffen entwickelten sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in China wie auch in Okinawa aus dem Goshinjutsu (Selbstverteidigung) und als Kakushi Buki 隠し武器 (versteckte Waffe). Aus diesem Grunde kann die Theorie, dass Nunchaku ursprünglich Dreschflegel waren, auch weiterhin nicht ausgeschlossen werden, da Goshinjutsu und Kakushi Buki eine Modifikation geradezu erfordern. Allerdings ermöglicht dies auch weitere Möglichkeiten, wie die Idee mit dem Zaumzeug. Wie auch immer: es steht ausser Frage, dass die Gebrauchsweise der Nunchaku stark durch die chinesische Kampfkunst aus Fuzhou beeinflusst und dieser sehr ähnlich ist. Ähnliche Bugu 武具 (Waffen) wurden in verschiedensten Gegenden der Erde eingesetzt, sowie in jüngerer Zeit (20. Jahrhundert) im Guerillakrieg in großen Teilen Südostasiens.
Sansetsukon 三節棍 (dreiteiliger Knüppel)
Die Knüppel sind auch hier durch Ketten oder Bänder verbunden und obwohl diese Waffe zusammengelegt recht klein ist und unter der Schärpe oder andersweitig versteckt werden konnte (Kakushi Buki), besitzt sie eine große Reichweite. Dies ist eine sehr alte Waffe, die bereits im San Kuo Chih 三国志, den "Chroniken der drei Königreiche" (kompiliert vor 297 v. Chr.) erwähnt wird. Es wird mitunter auch förmlich Shōrin Sansetsukon 少林三節棍 genannt, was auf seine Herkunft in der Kampfkunst der Shaolin-Klöster hinweist. Das Sansetsukon ist eine in China entwickelte Waffe und verwandt mit dem Sōsetsukon (Nunchaku) und dem chinesichen Shaozigun 哨子棍 (Shōshikon).
[1] Shao kann als Pfeife/Flöte oder als Wachtposten übersetzt werden. Zi hat mehrere mögliche Bedeutungen: „Kind,“ in übertragenem Sinne „Ast“ oder einfach „kleines Etwas.“ Von hieraus liegen also mehrere wörtliche Übersetzungen nahe, darunter „Knüppel des Wächterkindes“ oder „Flötenastknüppel“ oder "Flötendingknüppel."
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