Übungen zur
Durchbildung der Muskulatur und zur Stählung des Körpers, die wichtigsten
Griffe der Jiu-jitsu-Kampfweise.
Mit Abbildungen.
von
Polizei-Leutnant
Stephan
(Berittene Polizei-Abteilung Berlin)
Besonders für
Polizei-Beamte geegnet!
Oldenburg und Berlin 1922
Druck und Verlag von Gerhard Stalling
Bereitgestellt von Andreas Quast, 2003

Inhalt
Erste Hilfe und
Wiederbelebung
In den letzten Jahren vor dem (I. Welt-) Kriege wurde der Wert der
Leibesübungen endlich richtig erkannt, und sie fanden Eingan in die breiteren
massen des deutschen Volkes. Eine ganz neue Bedeutung gewann der Sport aber
nach dem Feldzug, als dessen traurige Folge wir statt des kernigen, starken und
stolzen Mannes von ehedem ein durch jahrelange Hungerblockade, durch
körperliche und seelische Erschütterungen und maßlose Demütigungen unserer
Feinde an Geist und Körper erschlafftes Wesen finden, dem Untergang verfallen,
vor dem nur zielbewußte Arbeit Rettung verheißt. Der Wille dazu ist vorhanden,
die Leibesübungen, die uns ertüchtigen und wieder zu frischen, fröhlichen und
selbstbewußten Menschen machen sollen, finden immer merh und mehr Verbreitung.
Die Erkenntnis, daß nur durch gesunde Einzelwesen wieder ein gesundes
Staatsgebilde entstehen kann, gewinnt sichtlich an Boden.
„Treibt
Sport!“ so werben zahlreiche Schriften, entstanden in diesen letzten Jahren, um
einem dringenden Bedürfnis gerecht zu werden. Dem einen sollen sie die Augen
öffnen, auf daß er seinen Körper stähle und geegnet mache zur Arbeit, dem
anderen helfen, weiterzubauen auf der Grundlage, die durch den Willen zur
Ertüchtigung geschaffen ist. Jeder weiß, welchen Wert ein gesunder Körper besitzt,
jeder soll daher auch wissen, von welcher Wichtigkeit gerade die Leibesübungen
für jeden einzelnen und damit auch für unser ganzes deutsches Volk sind.
An Literatur hierüber fehlt es wahrlich nicht; doch sie ist
verschiedenster Natur, und nicht jeder Nichtsportmann findet gleich das für ihn
Geeignetste. Ich will mich bemühen, das zusammenzufassen, was für alle wertvoll
ist, will versuchen, in übersichtlicher, leicht verständlicher Form jedem die
Mittel an die hand zu geben, sowohl seinen Körper auszubilden, die Muskulatur
zu stähln und zu kräftigen, als auch, einem Bedürfnis unserer aufgeregten zeit
Rechnung tragend, sich die wichtigsten Lehren und Griffe der Selbstverteidigung
anzueignen. Besonders unsere Polizei-Beamten, welche ihr schwerer und entsagungsvoller
Beruf leider oft genug in verhängnisvolle Lagen bringt, möge dieses Büchlein
ein wenig von Nutzen sein.
Wenn ich mit diesen zeilen nur zu einem kleinen Teil dazu
beitragen kann, daß wir Männer bekommen, die wissen, daß sie sich wehren
können, die im Bewußtsein ihrer Fähigkeiten edelmütig Schwächeren und
Bedrängten beistehen und der Gewalt und Rohheit mannhaft entgegentreten, dann
ist ihr Zweck erfüllt.
Erich Stephan
(Auszug)
„Du sollst deinen Körper gesund, widerstandsfähig und schön
machen! Gesund und widrstandsfähig wird er durch sachgemäßes Betreiben von
Leibesübungen, schön durch die damit verbundene gleichmäßige, harmonische
Ausbildung sämtlicher Muskelgruppen und Glieder!“ Es liegt viel Werbekraft in
diesen zwei Sätzen, ihre Wahrheit leutet jedem ein, und dem Versprechen der
Schönheit verschließt wohl niemand das Ohr. Über den Wert der Leibesübungen zu
sprechen erübrigt sich aber wohl, da er klar zutage tritt.
Erts einige Winke, um den Anfänger und den an Jahren beriets Vorgeschrittenen
vor Schaden zu bewahren. Man fange langsam an, allmählich nur darf man dem
Körper Steigerungen in seiner täglichen Leistung zumuten. Deshalb dehne man
anfangs die in den folgenden Abschnitten aufgezählten Übungen nicht zu lange
aus, ¼ bis ½ Stunde Tätigkeit in dn ersten 98 Tagen genügt vollkommen. Bei
wirklich gewissenhafter Ausführung wird auch dann schon sich hinterher eine
gewisse Abspannung und ein kleiner „muskelkater“ bemerkbar mache. Diesem
nachuzgeben und mit der Arbeit aufzuhören, wäre natürlich genauso falsch. Etwas
Selbstmassage hilft schnell über diesen Punkt hinweg. Zuerst also kurz, baer –
gewissenhaft! Durch Abweichungen von der vorgeschriebenen Ausführung werden
ganz andere Muskelgruppen als beabsichtigt in Bewegung gesetzt und der Zweck
der gleichmäßigen Durchbildung nicht erreicht. Besonders bei den
Widerstandsübungen ist dies von großer Wichtigkeit. Es gehört
selbstverständlich Energie dazu, mit einem Gliede, z.B. dem rechten Arm eine
Bewegung auszuführen, während der linke dies bewußt zu erschweren sucht. Fehlt
dieser Widerstand, dann ist die Übung zwecklos.
Alle Vorübungen dienen dazu, den Körper vor jeder weiteren
Sportausübung durchzuarbeiten, anzuregen und, im weiteren Verlauf, ihn zu
kräftigen. Gerade für einen Kampfsport wie das Jiu-jitsu sind sie natürlich
besonders wichtig. Viele der hier aufgeführten sind dem Gebiet des Boxens
entnommen, da gerade sie sehr geeignet sind zur Förderung der Gewandtheit, der
Schnelligkeit und Kraft, besonders zur Stärkung der Bauch-, Rücken- und
Beinmuskulatur. Man mache sich zum Grundsatz, beim Beginn jeder Übungsstunde
mindestens 10 Minuten den Freiübungen zu widmen, dem Körper dadurch
gewissermaßen zuzurufen: „Achtung, bereite dich vor, es wird jetzt etwas
besonderes von dir verlangt!“ Er reagiert sicher darauf und die nachfolgenden
Übungen strengen bedeutend weniger an.
Bei den Übungen mit Partner muß anfangs der Sieger vorher bestimmt
werden. Der Kampf, der bei den Anfängern den Zweck hat, die Griffe zu erlernen
und es in ihrer Ausführung zu einem hohen Grad von Sicherheit zu bringen, wird
sonst leicht zu einer Kraftprobe, bei der einer der beiden Kämpfer zu Schaden
kommen kann. Das nimmt die Lust und ist zwecklos. Man orientiere sich zuerst
über die Griffe, die geübt werden sollen, verteile die Rollen (Angreifer,
Verteidiger) und beginne dann erst mit dem Greifen, wobei der abmachungsgemäß
Verlierende soviel Widerstand gibt, daß der andere diesen gerade noch
überwinden kann, keinesfalls aber mehr.
Das Jiu-jitsu ist kein Kampfsport im eigentlichen Sinne des
Wortes. Das Ziel seiner Anhänger ist selbstverständlich, sich die Fähigkeit
anzueignen, bei Zusammenstößen ernster Natur unbedingt Siegr zu bleiben, sich
in jeder, noch so aussuichtslos scheinenden Lage erfolgreich verteidigen zu
können. Zum Sportkampf, zum Messen der Körperkräfte und Fähigkeiten sind die
Griffe zu gefährlich. Aber wir können die Kampfweise ihrer hervorragenden
Körperkultur wegen sportlich auswerten, neben dem Hauptzweck, dem
Sichwehrenkönnen in kritischen Fällen, die Jiu-jitsu-Methode als Mittel zum
Zweck betrachten, als Mittel zu dem Zweck, die Gesundheit zu kräftigen, den
Körper zu stählen und die Muskulatur durchzubilden. Diese Auffassung war für
die Japaner wohl nicht zuletzt ein Grund, die Kampfweise in fast allen Schulen
einzuführen, um die Jugend von vornherein zu kräftigen, gesunde und
leistungsfähige Männer heranzubilden.
Bemerken möchte ich noch, daß auf den erläuterten Abbildungen die
Kämpfer absichtlich im Sportanzug dargestellt sind, um die Griffe deutlicher zu
zeigen und anschaulicher zu machen. Der Anzug darf bei der ernsten Ausübung der
Griffe selbstverständlich keine Rolle spielen.
Die Kampfweise ist rein japanische Ursprungs. In früheren zeiten
bildeten die Daimyos den höheren Adel Japans. Ihr Rang entsprach ungefähr dem
eines unserer Fürsten, Herzöge usw. im Mittelalter. Ihnen dienten die Samurai,
entsprechend unseren deutschen Rittern. Die Waffenspiele waren ihre einzige
Beschäftigung, ihnen gaben sie sich aber auch vollkommen hin und brachten es in
der Ausbildung des Körpers und der Handhabung der Waffen zur höchsten
Vollkommenheit. Sie sind es, die das Jiu-jitsu ausgebildet haben. Unterstützt
durch eine einfache, gesunde Lebensweise und stete körperliche Übung gelang es
ihnen, in dieser Kampfweise ein System zusammenzustellen, welches alle Vorzüge
unserer abendländischen Leibesübungen in sich birgt.Der Schwächste sowohl wie
der Stärkste wurde in allen teilen des Körpers gleichmäßig gekräftigt und zu
der Stufe der Entwicklung gebracht, die für die Körperbeschaffenheit des
einzelnen erreichbar ist. Das ist also dasselbe Ziel, welches wir zu erreichen
überhaupt Sport treiben. Wer bezüglich der Leibesübungen auf einem anderen
Standpunkt steht, etwa dem, Rekordleistungen zu erzielen, hat ihren Sinn nicht
erfaßt und ihren Wert für die Volkskraft[1] nicht erkannt. Sport darf nicht
Selbstzweck werden, er ist stets Mittel zum Zeck.
Darüber waren sich die Japaner vollkommn klar. Anfänglich war das Jiu-jitsu
eine Geheimkunst, die Samurai allein waren in ihr bewandert und hüteten sich,
ihre Tricks zu zeigen. Sie betrachteten die Kampfweise als das, wa sie
eigentlich ist, nämlich eine ernste Kunst, mit der man icht prunkt, die man
aber anwendet, wenn es nötig ist. Dem niederen Volk wurde ihre Ausübung
verboten. So wandte man sich hier zum Ringkampf, der aber nur als Schauspiel
galt und meist von Berufsringern vorgeführt wurde.
Nach Aufhebung der Sonderrechte der Samurai erkannte man bald die
Wichtigkeit der von diesen dahin so sorgsam gehüteten Kunst als eine
Notwendigkeit für das praktische Leben, wert, ebenso gelertn zu werden wie das
Lesen und Schreiben. Zur Verbreitung des Jiu-jitsu dienen jetzt besondere
Schulen, es ist Gemeingut des japanischen Volkes geworden[2].
Daß sich diese Maßnahme gut bewährt hat, dafür ist uns der
Russisch-Japanische Krieg ein Schulbeispiel. Keiner unserer Strategen hätte der
gelben rasse die Ausdauer und Zähigkeit zugetraut, die sie in dem kampf ggen
eine gewaltige numerische Übermacht bewies. Schon früher, 1894, als die
europäischen Großmächte im Verein mit Japan die Expedition gegen China
unternahmen, wurde die Eiderstandsfähigkeit und die Ausdauer der kleinen
Japaner von allen Seiten bewundert und anerkannt. Die Quellen zu diesen
Eigenschaften finden wir nicht zuletzt im Jiu-jitsu. Seien wir nicht zu stolz,
das Gute zu nehmen, wo wir es finden. Unsere hohe Kultur kam den Japanern
zugute, japanische Offiziere dienten vor dem Kriege in unserer Armee und
verwandten die hier gemachten Erfahrungen bei der Reorganisation des
japanischen Heeres, wir brauchen uns also kein Gewissen daraus zu machen, auch
unsererseits etwas von ihnen zu lernen.
Die Neuyorker, Londoner und Pariser Polizei ist bereits im
Jiu-jitsu ausgebildet und hat dieser Kunst gute Erfolge zu danken. Folgen wir
ihrem Beispiel, jeder kann nach diesen Winken für sich arbeiten, wir sichern
uns durch die Kampfweise die in dem schweren Polzeidienst so nötige unbedingte
Überlegenheit über die Elemente, mit denen wir zu kämpfen haben.
Die Kapitel „Vorbereitende Übungen“ und
„Widerstandsübungen“ hab ich mir und euch gespart. Andreas.
o
Der Kehlkopf. Empfindlich gegen Druck, der so durch beide Daumen
auszuüben ist, daß sich die Spitzen der übrigen Finger in den Muskelwulst
unterhalb der Ohrläppchen eingraben.
o
Die kleinen Gruben dicht unterhalb der Ohren hinter den Muskeln
der Oberkiefer. Druck mit den Außenkanten der Daumen, während die Finger am
Hinterkopf liegen.
o
Der Hals an der Schalgader. Schlag mit der Handkante.
o
Der Oberarm etwa handbreit über dem Ellenbogen. Der Daumen wird
innerhalb, die übrigen Finger außerhalb des Oberarmes kräftig in die den
Armknochen entlang laufenden Muskeln eingepreßt, so daß der Knochen dazwischen
liegt.
o
Die Spitze des Ellenbogens (Musikantenknochen). Schlag mit der
Handkante oder einem harten Gegenstand.#Das Ellenbogengelenk. Vier Finger
umfassen das Gelenk von außen, der Daumen drückt die Innenseite.
o
Der Unterarm. Kurz unterhalb der Handwurzel, an der kleinen
Schwellung. Hier Daumen ansetzen, die übrigen Finger umgreifen das Handgelenk.
o
Der Rumpf in der Nierengegend, auf beiden Seiten unterhalb der
ersten Rippe. Handkantenschläge.
o
Die Oberschenkel etwa eine handbreit vom Knie. Siehe Oberarm.
o
Die Nase. Schlag mit der Handkante auf Nasenwurzel oder Nasenbein.
Da die Handkantenschläge einen wichtigen Bestandteil des
Jiu-jitsu-Kampfes bilden, muß auf ihre Ausbildung eine ganz besondere Sorgfalt
verwendet werden. Ihre Wirkung ist bedeutend stärker als ein Faustschlag. Die
Faust trifft eine mindestens doppelt so große Fläche, die Kraft, die in dem
Faustschlag liegt, verteilt sich also mehr. Bei gleichem Kraftaufwand ist der
Schalg mit der Handkante infolgedessen doppelt so hart. Der Boxer stößt mit
Nachdruck, der Schlag des Jiu-jitsu-Kämpfers soll kurz und federnd sein, die
Hand geht sofort zurück.
Bei jeder Gelegenheit ist die handkante zu härten. Zuerst schlage
man, Daumen nach oben, mit der ganzen Kante, d. h. vom handgelenk bis zur
Spitze des kleinen Fingers auf die Muskeln der Oberschenkel, hierauf auf eine
harte Unterlage, z.B. Tisch. Stets, auch in nur kurzen Arbeutspausen wird sich
hierzu Gelegenheit bieten.
Am wirkungsvollsten ist der Schlag, wenn er im Winkel von 45°
auftrifft.
Im Ernstfall ziele man nach folgenden Stellen:
o
dem Hals (am Adamsapfel. Der Schlag ist gefährlich und kann den
Verlust der Stimme zur Folge haben);
o
der Oberlippe, dicht unter der Nase;
o
am Nasenbein;
o
der Nasenwurzel;
o
den Schlagadern zu beiden Seiten des Halses;
o
dem Genick;
o
den Nieren (sehr empfindliche Körperstellen);
o
der Wirbelsäule;
o
den Oberschenkeln dicht oberhalb der Knie;
o
dem Schlüsselbein dicht am Anfang des Halses.
Als Paraden sind die Handkantenschläge von großer Bedeutung. Bei
Faustschlägen lähmt ein richtig ausgeführter Schlag mit der einigermaßen
gehärteten handkante sofort den Arm. Sticht der Gegner mit dem Messer, genügt
meißt ein Schlag gegen das Handgelenk, um die Hand zu öffnen und die Waffe
herauszuschleudern. Man vernachlässige also unter keinen Umständen stete
Übungen zum Härten der Kante und zur Hebung der Treffsicherheit.
„Komm mit“ (s. Abb. 1). Man
umfaßt das rechte Handgelenk des Gegners fest mit der rechten Hand, zieht
ihn mit kräftigem Ruck an sich, während
man gleichzeitig sich scharf nach rechts wendet und den Arm des Widerstrebenden
unter dem eigenen hindurch zwischen Schulter und Ellenbogen auf den Muskeln des
angewinkelten eignen linken Unterarmes legt. Um besser halten zu können,
krampfe man die linke Hand in die eigene Kleidung. Der gegnerische Arm ist nach
unten gedreht, so daß dessen Ellenbogengelenk bei geringem Druck widernatürlich
gebeugt wird. Etwaige Angriffe mit dem freien linken Arm wird man leicht durch
vermehrten Druck auf den gefangenen Arm vermeiden können.
Links gilt sinngemäß dasselbe.
„Armbeugen auf den Rücken mit Verdrehen des Handgelenks.“ Gegner
stehen sich gegenüber. Die eigne linke Hand faßt das rechte Handgelenk des
Gegners mit Ristgriff, d.h. Daumen außen abwärts, 4 Finger innen, der eigne
rechte Arm schiebt zwischen rechten Arm und Körper des Gegners in
Ellenbogenhöhe durch. Mit dem linken drückt man den Arm des Gegners auf dessen
Rücken, indem man gleichzeitig das Handgelenk nach innen umbiegt, die rechte
Hand sucht einen Halt an der eignen Kleidung. Gegner ist wehrlos, sucht er sich
zu befreien, Druck auf das Handgelenk verstärken, nötigenfalls Sehne
durchreißen.
Links gilt sinngemäß dasselbe, zum sicheren Zufassen ist rechts
und links zu üben.
„Abführen.“ Bei schwachen Gegnern, die sich nur leicht wehren,
genügt es, wenn man sie mit einer hand am Kragen, mit der anderen am Hosenboden
faßt. Erstere drückt nach vorne, letztere hebt nach oben.
„Werfen.“ Schnell auf den Gegner zuspringen, das linke Bein hinter
das linke (bzw. umgekehrt rechts hinter rechts) des Gegners setzen und sich
niederkauern. Während beide Hände das gegnerische linke Bein umfassen, setzt
man sich in dessen Kniekehle und wirft sich nach hinten, dem Gegner somit das
Bein wegnehmend. Dann biegt man mit beiden Händen die Fußspitzen nach unten,
während ein Schenkel unter der Kniekehle ruht. Der so hervorgerufene Schmerz
ist erheblich, ein Treten mit dem freien Bein ausgeschlossen.
„Werfen von hinten mit Festhalten am Boden.“ Dieser Fall kommt meist
in Frage, wenn man Bedrängten zu Hilfe kommt. Bücken, die Hände umfassen die
Knöchel des Gegners und ziehen sie hoch, während der Kopf gegen das Gesäß
stößt. Gegner liegt auf dem Gesicht. Loslassen eines Beines, auf welches zum
festhalten ein Fuß tritt, den anderen Fuß hält man nach oben, faßt ihn mit der
Hand am Absatz und dreht die Spitze nach innen. Wehren ausgeschlossen.

Abbildung 1
Mit den Daumen je einen Rockumschlag am Kragen so fassen, daß nur
die Daumen frei bleiben. Diese werden gegen den Adamsapfel gedrückt.
Gleichzeitig ein Knie gegen Unterleib oder Magen stoßen. Gegner verliert meist
die Besinnung.
Abwehr dagegen:
Kinn gegen die Brust drücken, Halsmuskeln anspannen. Dann entweder
-
beide Fäuste nach oben durch die gegnerischen Arme durchstoßen und
auseinanderreißen, oder
-
einen Finger fassen und umdrehen, oder
-
mit Mittel- und Zeigefinger (vegrleiche: eine der Methoden des
Wudang-Boxens) in die Augen stoßen, oder
-
Handgelenke von außen oben mit je einer Hand fassen und auseinanderreißen,
oder
-
Handkantenschlag gegen Ellenbogen (Musikantenknochen) oder
-
Beide Daumen drücken mit der äußeren Kante in die unter
„Empfindliche Körperstellen“ bezeichneten Höhlen dicht unter den Ohren, während
die Finger am Hinterkopf liegen.
„Abwehr und Angriff.“ Meist wird der Gegner im gegensatz zu der
oben beschriebenen Art nur mit einer Hand nach der Kehle greifen, um mit der
anderen gleichzeitig schlagen oder stechen zu können. Dann verfahre man nach
Abb. 2 und 3. Die rechte Hand des Gegners ruht an der eigenen Kehle, die eigne
linke Hand umspannt das Handgelenk von unten, während die rechte von oben
hineinfaßt. Dann schnelles Rechtsumdrehen (Abb. 3), wobei der gegnberische Arm
unter dem eignen linken durchgezogen und sein handgelenk nach unten gedrückt
wird. Angriff ist vereitelt und Gegner wehrlos. Für links gilt dasselbe.

Abbildung 2

Abbildung 3
Häufig wird der Gegner versuchen, die Handgelenke zu umklammern, um
evt. Stock oder Waffe zu entwinden. Umfaßt er beide Arme, dann reiße man seine
Fäuste mit kurzem Rock nach oben in der Richtung der gegnerischen Daumen.
Bei Umklammern des rechten (bzw. linken) Handgelenks durch beide
Hände des Gegners fasse man mit der anderen hand die eigene, umklammerte Faust,
reiße sie an den Körper und setze gleichzeitig das auf der Seite des
festgehaltenen Armes befindliche Bein vor den Gegner, indem man sich mit kurzem
Ruck umwendet. Der Gegner wird über das Bein fallen und folglich loslassen.
Untergriff.
Umklammert der gegner durch Untergriff von vorne, dann drücke man
entweder sein kinn mit beiden Händen nach hinten oder wende den Daumendruck
unter den Ohren an. Auch ein gleichzeitiger Schlag beider Handkanten in die
Nieren wird die Umklammerung sofort lösen.
Meist wird der Gegner über den Armen umfassen und sie an den
Körper pressen. Erst tief Luft holen, dann Schultern nach vorne drücken und
Rücken wölben, wodurch der Griff des Gegners gelockert wird. Hiernach fasse man
einen Arm, ziehe ihn über die eigne Schulter und beuge sich vornüber. Der
Gegner wird zu Boden geschleudert.
Ebenso versuche man auch, mit Kopf und Gesäß abwechselnd nach
hinten zu stoßen und mit den Absätzen nach den Schienbeinen des Umklammernden
zu treten.
Umklammert der Gegner, ohne die Arme zu fassen, dann schlage man
ihm mit den Knöcheln der Fäuste auf die Adern der handrücken. Um den Gegner
aber gleichzeitig zu werfen, bücke man sich rasch und plötzlich, erfasse
zwischen den eigenen Beinen hindurch eine Wade des Angriefers, die ruckartig
hochzuziehen ist. Der Fuß des gefallenen Gegners wird festgehalten, während man
sich auf das Bein setzt. Es wird brechen. Evt. Verfahre man aber auch wie unter
„Werfen von hinten und Festhalten am Boden“ beschrieben, d.h., drehe die
Fußspitze einwärts.
Umklammerung des Halses von der Seite
Der
Gegner umklammert mit einem Arm den Hals von der Seite und drückt den eignen
Körper dadurch nach vorne (Schwitzkasten, Abb. 4). Die dem Gegner zugewandte Hand
faßt von hinten zwischen den beiden Köpfen hindurch unter dessen Kinn oder Nase
und drückt bzw. zieht ihn nach hinten, während die andere hand das zugewandte
Bein hochhebt. Der Gegner muß hintenüber fallen.

Messerstiche
In
jedem Falle eines Messerangriffes werfe man dem Angreifer zuerst irgend etwas
(Taschentuch, Zeitung usw.) in das Gesicht, um ihn so zu behindern und Zeit zu
gewinnen.
Meist
wird der Gegner das Messer in der rechten Faust, Klinge nach unten halten und
versuchen, von oben her in den Kopf zu stoßen (Abb. 5). Dann treffe man mit der
Handkante der Rechten das erhobene Handgelenk, der linke Arm schlägt von außen
ruckartig in das Ellenbogengelenk des Gegners und die Linke umfaßt den eignen
rechten Arm oberhalb des Handgelenks (s. Abb.). Während das rechte Bein hinter
das linke des Angreifers tritt, wirft man ihn hintenüber. Für links gilt
sinngemäß dasselbe. Meist genügt der kräftig ausgeführte Handkantenschlag
schon, dem Gegner das Messer zu entwinden.
Hält
der Angreifer die Waffe umgekehrt und stößt von unten nach oben in den
Unterleib, dann schlage man mit der linken Handkante den Arm nach außen, indem
man den Unterleib einzieht und sich auf die Zehen stellt. Die rechte Hand packt
den Gegner an der Kehle und drückt ihn rückwärts, während man ihm ein Bein
stellt.

Abbildung 5
Man
trete neben den Gegner (z.B. links in gleicher Richtung) setze sein rechtes
Bein kurz hinter dessen linkes und schlage ihm mit der rechten handkante
kräftig gegen den Adamsapfel.
Steht
man vor dem Gegner, so faßt man dessen Rock mit beiden Händen, hakt den rechten
Fuß von innen in des Gegners linke Kniekehle und stößt ihn mit beiden Händen
oder dem Kopf nach hinten. Im Fallen Bein festhalten und mit zu Boden egehen,
wodurch ihm das Knie in den Unterleib gebohrt wird.
Werfen
durch Treten läßt sich oft bewerkstelligen. Meist hat der Gegnber irgendein
Bein, z.B. das linke vorgestellt. Man setze dasselbe Bei vor, stütze sich
darauf und versetze dem Gegner mit dem rechten Fuß einen scharfen Stoß gegen
den äußeren Knöchel des linken Fußes, wodurch er fallen muß.
Leicht
kann man das Knie eines Angreifers durch einen Tritt brechen, wenn man in dem
Augenblick, indem er sich, um anzugreifen, auf das vordere Bein stützt, ihm mit
dem eignen zunächst zurückgestellten Bein von außen gegen das Knie tritt.
Sehr einfach und in vielen Fällen anwendbar ist folgendes: Man
hebe ein Bein etwa 20 – 30Zentimeter vom Boden hoch und trete mit der Kante
desd Absatzes mit voller Kraft auf die Wurzel der großen Zehe des Gegners. Der
Schmerz ist so groß, daß er gegebenenfalls zur Besinnungslosigkeit führt.

Abbildung 6
Beachtet man die vorbeschriebenen Griffe, dann kann der Bodenkampf
vermieden werden. Immerhin kommt auch ein geübter Kämpfer leicht einmal zu
Boden und muß auch hier noch versuchen, den Kampf zu seinen Gunsten zu
entscheiden. Ein guter Trick ist folgender. Man suche den Gegner zwischen seine
Beine zu bekommen, umklammere ihn fest damit, so daß die Gegend dicht unter den
Knien auf den Nieren des Gegners liegen und einen starken Druck auf die
letzteren ausüben, sobald man die Füße aufeinander legt und die Beine
ausstreckt. Der Schmerz ist sehr heftig. Kommt man selbst in diese Lage, so
drücke man einen Ellenbogen mit der Spitze etwa 10 Zentimeter unterhalb der
Geschlechtsteile in ide Innenmuskeln des Oberschenkels. Der Gegner wird sofort
loslassen.
Liegt man auf dem gegner und will ihn sicher festhalten, ohne viel
Kräfte zu gebrauchen, so wälze man sich, seinen (des Gegners) rechten Arm
festhaltend, links von ihm herunter, indem gleichzeitig das eigene linke Bein
sich auf die gegnerische Kehle legt (siehe Abb. 6) und der festgehaltene Arm,
nach außen gedreht, gegen den eigenen linken Oberschenkel gedrückt wird. .
Die wichtigsten Griffe der Kampfweise sind hiermit aufgezählt,
alle zu nennen liegt nicht im Rahmen dieses Buches. Durch das Betreiben der
Vorübungen und der allgemeinen Freiübungen wird jeder Körper an und für sich
schon gewandt und kräftig, kommt nun noch die Kenntnis der hier beschriebenen
Griffe und ein klarer Blick dazu, so wird man unbedingt in den meisten Lagen
der Überlegene bleiben.
Erwähnt sei noch eins: Wende nie schärfere Mittel an als nötig.
Die Griffe und Handkantenschläge können sehr gefährlich, unter Umständen sogar
tödlich wirken. Das halte man sich stets vor Augen und gebrauche die
nachstehenden nur in wirklich dringenden Fällen:
Schlag auf den Kehlkopf. Er verletzt das Zungenbein und hinterläßt
lebenslängliche Qualen beim Sprechen und Schlucken.
Handkantenschläge über die Schläfen oder die Ohren können
dauerndes Hirnleiden verursachen.
Schläge gegen das Ende des Rückgrats können dauerndes Siechtum
herbeiführen.
Der Schlag gegen den Nacken ist unter Umständen tödlich.
Jeder Griff gegen das Kinn kann durch seinen Druck auf das
Rückgrat dieses brechen. Viele andere verursachen bei zu großem Kraftaufwand
Knochenbrüche.
Also menschlich sein, gerade weil man weiß, welche überlegenen
Mittel man in der Hand hat. Ist es aber nötig, dann auch scharf zufassen. Das
sei besonders unseren Polizeibeamten empfohlen.
(weggelassen. Andreas)
Sowohl beim Training als auch besonders bei ernster Anwendung der
Griffe siehr sich der Jiu-jits-Kämpfer leicht in die Lage versetzt, einem
Beschädigten zu helfen. Es ist also gut, wenn jeder sich die Winke einprägt,
die hier in kurzen Stichworten gegeben werden. Selbstverständlich ist in allen
Zweifelsfällen ein Arzt zu holen, da leicht innere Verletzungen vorliegen
können, die dem Auge des Laien verborgen bleiben. Am häufigsten ist wohl die
Quetschung. Erkennbar an einer Schwellung und Verfärbung der Haut,
hervorgerufen durch den Bluterguß, bedarf sie keiner besonderen Hilfeleistung
und ist ungefährlich, wenn sie Arm oder Bein an den Weichteilen trifft. Ist
Brust oder Bauch in Mitleidenschaft gezogen, muß für schleunigen Transport zum
Arzt gesorgt werden. Die Gefahr liegt nahe, daß eingedrückte Rippen das
Brustfell, die Lungen oder das Herz verletzt haben, daß Leber, Milz oder Nieren
bluten oder der Darm, die Blase geschädigt ist. Nur der Arzt kann helfen.
Transport in horizontaler Rückenlage möglichst schonend.
Hat die Quetschung sich durch die Weichteile auf den Knochen
fortgepflanzt, dann liegt oft ein Bruch vor. Erkennungszeichen: Beweglichkeit
an abnormer Stelle, heftiger Schmerz bei Gebrauch, meist ausgedehnter Bluterguß
und Formveränderung.
1. Bedingung: Ruhe, Schutz gegen Bewegung. Also Arm in ein
Tragetuch oder eine Binde (auch bei Schlüsselbeinbruch), Bein in einen
improvisierten Schienenverband legen. Grundsatz: Immer versuchen, den
gebrochenen Teilen Halt zu geben. Dann den Arzt aufsuchen oder holen.
Bei Verrenkungen gilt dasselbe. Nicht versuchen, selbst
einzurenken! 24 Stunden sind kein Zeitverlust, wenn innerhalb dieser Zeit ein
guter Arzt zu haben ist.
Bei Wunden gilt es, Infektionen zu vermeiden und evt. Das Blut zu
stillen. Die Wunde nicht mit den Fingern berühren! Saubere Leinwand
daraufpressen, wenn zur Hand, etwas Jodtinktur aufpinseln, nachdem
Kleidungsfetzen usw. entfernt sind. Sind Blut- oder Pulsadern getroffen
(starker Strahl, Puls: hellrot, Blut: dunkel) oberhalb der Wunde fest
umschnüren. Bei Ohnmacht infolge Blutverlustes Herztätigkeit anregen. Kopf tief
lagern. Extremitäten erheben. Ein Glas Wasser als Ersatz für das verlorene
Blutwasser, ein Schluck Cognac zur Anregung der Herztätigkeit.
Bei einfacher Bewußtlosigkeit infolge Überanstrengung oder Hitze
Kragen auf, frische Luft. Kopf tief, wenn Gesicht blaß, wenn gerötet, Kopf hochlegen.
Tritt Erbrechen ein, Kopf dofort auf die Seite drehen, damit das Erbrochene
nicht in die Lunge eingeatmet wird. Glas- oder Metallfläche vor den Mund
halten, falls Atem zweifelhaft, evtl.:
Künstliche Atmung. Entweder: Beide Hände, Fingerspitzen nach dem
Kopf des Bewußtlosen, flach auf dessen Bauch zu beiden Seiten der Mittellinie
unterhalb des Rippenbogens legen. Abwechselnd ein tiefer und kräftiger Druck
nach rückwärts-auswärts gegen die hintere Wand des Brustkorbs, und langsam
nachlassen.
Oder: den Bewußtlosen auf den Rücken legen, Schultern etwas erhöht
(Rock unterschieben). Hinter ihn stellen, beide Arme oberhalb des Ellenbogens
ergreifen, sanft erheben und gleichmäßig bis über den Kopf führen. 2 Sekunden
dort lassen, dann zurück und sanft aber fest 2 Sekunden lang auf den Brustkorb
drücken.
Die Bewegungen etwa 18 mal in der Minute solange wiederholen bis
selbsttätige Atmung eintritt. Erkennbar an Farbwechsel im Gesicht, rotes
Gesicht erblaßt, blasses rötet sich gewöhnlich beim ertsten Atemzug.
Nach Einsetzen der Atmung noch kurze Zeit in der oben
beschriebenen Weise fortfahren, dann durch schnelle Schläge mit dem
Daumenballen auf die Herzgegend die Herztätigkeit anregen. Dann sehr warm
betten, sobald der Kranke wieder Schlucken kann, warme Getränke (Tee, Grog,
Kaffee, Wein) einflößen.
Die häufigsten Fälle sind hiermit wohl erschöpft, man vergesse
jedoch nie, daß die erste Hilfeleistung den Arzt nie ersetzen kann, sondern ihn
nur unterstützt.
Ende.
Copyright © Katherine Loukopoulos und Andreas Quast