Selbstverteidigung im Bild

 

Die ernste Kunst auch bei geringer eigener Kraftentfaltung den Gegner wehrlos zu machen.

 

von

 

Polizeileutnant Erich Stephan

 

Aus der Reihe „Sportlehrtafeln“ erschienen in

 

Franckhs Sportverlag, Dieck & Co., Stuttgart, 4. Auflage, 1922.

 

12 Abbildungen zum Ausklappen.

 

Bereitgestellt von Andreas Quast 2003.

 

 

 

Die „Selbstverteidigung“ soll jeden, auch den körperlich Schwächeren, in die Lage versetzen, bei Angriffen sich erfolgreich wehren zu können. Deshalb kann man ihre Ausübung nicht als Sport bezeichnen; sie ist eine ernsthafte Kunst und demjenigen, welcher sie ausübt, ist eine große Verantwortung übertragen. Man präge sich ein, niemals stärkere Mittel anzuwenden als es die Lage erfordert. Derjenige, welcher diesen Grundsatz beherzigt und stets menschlich mit seinen Gegnern verfährt, genießt nicht nur die Vorteile, welche die Kunst seinem Körper gewährt, er wertet auch ihre Moral aus.

Im folgenden sind einige Griffe dargestellt, deren Anwendung am häufigsten in Frage kommt. Das Prinzip des Jiu-jitsu-Kämpfer ist, stets unter Schonung der eigenen Kräfte mit der Muskulatur des Gegners zu arbeiten, um durch widernatürliche Biegung seiner Gelenke Hebel zu bilden, welche bei geringer eigener Kraftentfaltung durch erhebliche Schmerzempfindung den Gegner wehrlos machen.

 

 

Alle Griffe müssen selbstverständlich so geübt sein, daß im Ernstfalle ein sicheres und blitzschnelles Zugreifen gewährleistet ist. Nur auf dieser Sicherheit und Schnelligkeit beruht der Erfolg auch des schwächeren Menschen.

Die Griffe sind vom Verfasser selbst (dunkle Hose) dargestellt.

 

Berlin, August 1922.

 

E. Stephan, Polizei-Leutnant Berittene Abteilung Berlin.

 

Die Aufnahmen zu den Bildern dieses Albums besorgte Riebecke, Berlin.

 

 

Bild I: Der rechte Arm des Gegners wird über den eigenen linken Unterarm hebelartig widernatürlich gebogen;

 

Bild I: Griff „Komm mit“! Rechte Hand faßt rechtes gegnerisches Handgelenk, zieht dessen Arm unter gleichzeitiger Rechtsumwendung des eigenen Körpers über den eigenen linken Unterarm und drückt ihn abwärts, Innenarm nach oben.

 

`

 

Bild II: Der Körper des Gegners wird unter Benutzung des eigenen rechten Beines als Hebel durch den Arm und die Schulter nach hinten geworfen;

 

 

Bild II: „Werfen.“ Rechten Arm seitwärts ausstrecken, rechtes Bein hinter das entsprechende Bein des Gegners setzen. Schritt vorwärts.

 

`

 

Bild III und IV: Körper, Arm und Handgelenk des Gegners werden widernatürlich gebogen;

 

 

 

Bild III: Halsgriff I: Gegner faßt nach der Kehle. Eigene linke Hand umfaßt von unten das Handgelenk, rechte Hand faßt in die Hand des Gegners, dann

 

 

Bild IV: kurze Rechtswendung und Hochreißen des gegnerischen Armes (Halsgriff II).

 

`

 

Bild V und VI: Kinn und Kopf werden nach dem Nacken zu gedrückt, während durch Hochschlagen des Beines

der Griff des Gegners gelockert und er selbst zu Boden geschleudert wird;

 

 

Bild V: „Würgegriff.“ Gegner hat den Hals von der Seite umfaßt. Rechten Arm unter dessen rechtes Knie legen, linke Hand über die gegnerische Schulter unter dessen Kinn, dann

 

 

Bild VI: Hochreißen des Beines und Zurückdrücken des Kinns.

 

`

 

Bild VII: Der erhobene Arm des Gegners wird in der Schulter widernatürlich gedreht;

 

 

Bild VII: „Messerstich von oben.“ Rechte Handkante fängt den Stich am gegnerischen Handgelenk ab, linker Arm schlägt von außen in den Ellenbogen und die linke Hand umfaßt den eigenen rechten Unterarm; dann Schritt vor und den Gegner hinwerfen.

 

`

 

Bild VIII: Ähnlich wie bei Bild II: der Gegner wird über das eigen rechte Bein geworfen, während die

eigene linke Handkante den Messerarm beiseite schlägt;

 

 

Bild VIII: „Messerstich Bauch.“ Linke handkante schlägt gegnerischen Arm beiseite, rechter Fuß hinter entsprechendes Bein des Gegners, rechten Arm ausstrecken und Schritt vor. 

 

`

 

Bild IX: Der Arm des Gegners wird als Hebel benutzt, um den Gegner über die Schulter zu Boden zu schleudern;

 

 

Bild IX: „Schulterwurf.“ Gegnerisches Handgelenk umfassen, schnelle Wendung, so daß Arm des Gegners auf der eigenen Schulter liegt, Rumpf vorwärts beugen.

 

`

 

Bild X, XI, XII: Der Hebel wird aus den beiden Körpern gebildet, um den Gegner über den eigenen Kopf hinweg

mit Wucht auf den Rücken zu werfen, so daß eine eigene Schulterrolle genügt, um im Reitsitz auf den Angrifer zu gelangen.

 

 

Bild X: „Kopfwurf I.“ Gegnerische Schultern oder Rockklappen festhalten, Fuß gegen den leib setzen und sich hintenüber fallen lassen, dann

 

 

Bild XI: fest zutreten sobald eigener Körper den Boden berührt (Kopfwurf II), und

 

 

Bild XII: eigenen Körper über die Schulter rollen und sich auf diese Weise auf den Gegner setzen (Kopfwurf III).

 

Ende.

 

Dokumentbeginn


Copyright © Katherine Loukopoulos und Andreas Quast