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Quellensuche: Ein Beispiel aus dem Leben

Von Andreas Quast

 

Man fragt sich vielleicht: „Ist Quellensuche überhaupt lohnenswert?“ Dazu ein Beispiel. In Donn F. Draegers „Classical Budō[1]“ fand ich unter „Text decorations und Illustrations“ den Hinweis auf ein Werk, von dem ich sofort wußte, dass ich es haben muß, da ich annahm, dass der Großteil der Darstellungen in Draegers Werk eben daraus stammte. Es war das „Hokusai Manga Band VI.“ Dies war nun alles, was ich erst einmal darüber wußte. Direkt begann ich mit meiner Internet-Recherche und als Belohnung durfte ich mir zahllose Meisterwerke von Katsushika Hokusai ansehen, von dem das erwähnte Werk stammt, wie ich bereits wußte. Solche Meisterwerke waren z.B. „Sperling auf Hibiskusblüte“ (toll) oder „Die große Woge von Kanazawa“ (hui), aber nicht die Kampfspiele und Wettkämpfe, die Darstellungen von Reitkunst und mythologischen Gestalten, wie ich sie bei Draeger fand.

Meine internationale Suche[2] ging weiter, tagelang, doch ich fand kein Hokusai Manga Band VI. Da stieß ich auf eine englischsprachige Seite, auf der von einem Händler gewisser Band 6 aus der Reihe Sowieso der Katsushika Hokusai Manga (mit Abbildung des Covers) angeboten wurde. Nun, ich wußte nicht tatsächlich, ob es wirklich das ist, was ich suche. Kaum zu glauben aber wahr. Außerdem führte mich der Link nicht auf die Hauptseite, sondern direkt auf die Verkaufsseite. Und so grübelte ich hin und her, es war spät und ich hatte die Schnauze voll, also brach ich ab, speicherte jedoch glücklicherweise die Seite im Marker.

Irgendwann surfte ich wieder völlig desillusioniert ob meiner Unfähigkeit, das Hokusai Manga Band VI. zu finden, im Netz herum, und kam wieder auf die Seite. Nun war ich schlauer. Ich wechselte zur Hauptseite, und siehe da: der Händler hatte zwar eine englischsprachige Seite angelegt, war jedoch in Meerbusch, gleich neben meiner Heimatstadt Düsseldorf, angesiedelt. Am nächsten Tag vereinbarte ich einen Termin, fuhr hin, schaute mir zahlreiche Mangas von Hokusai an und tatsächlich: das angebotene Heft war dabei das von mir gesuchte Hokusai Manga Band VI.

Ich kaufte es für ich glaube $ US 300. So kann’s gehen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass man nie zu früh aufgeben darf, und es ist immer zu früh zum Aufgeben. Nun, der richtige Titel des Werkes war Katsushika Iitsu iboku – Hokusai manga rokuhen zen. Die erste Ausgabe hiervon erschien im „Jahr des Ochsen“ 1817. Meine Ausgabe wurde mit der Anzeige G. identifiziert, dies bedeutet, es handelt sich um eine Ausgabe vom 1. September 1878. Immerhin, ganz schön alt, MEIN guter Hokusai.

 

Um einen Eindruck davon zu geben, warum dies ein lohnender Aufwand für mich war, hier nur zwei Bilder aus diesem formidablen kleinen Schmuckstück:

Verschiedene Jūjutsu-Taktiken an Ellenbogen und Schulter.

Bei dem Bild oben wird mit dem Schwertgriff (tsuka) gehebelt.

Verschiedene Jūjutsu-Taktiken an Hand und Arm.

 

[1] Donn F. Draeger: Classical Budō. The Martial Arts and Ways of Japan. Volume Two. Weatherhill, New York & Tokyo 1973/1990/1996.

[2] Ich bin wohl Kosmopolit oder so.