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歴史 |
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• Entwicklung • Entwicklung Ab etwa dem ausgehenden 17. Jahrhundert ist eine steigende Anzahl von Traditionen des Kobudō im Ryūkyū Königreich bemerkbar. Die Verantwortlichen für die Gründung kämpferischer Methoden in Form von Kata waren die zur Samurai- und Daimyō-Klasse gehörenden Personen. Die ursprüngliche Form des Klassensystems des Ryūkyū Königreichs wurde in der Regierungszeit von König Shō Shin 尚真 (reg. 1477-1526) Ende des 15. Jahrhunderts, Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffen. Im 17. Jahrhundert wurden die Menschen in drei Klassen eingeteilt, in Daimyō 大名, Samurai 士 (侍), und Bauern.[1] Unterscheidungen zwischen Samurai und Bauern wurden durch die Zusammenstellung von Kafu 家譜deutlich gemacht, Familienaufzeichnungen oder Genealogien, zusammengestellt von Chōshiō Haneji 羽地朝秀 begonnen etwa um 1670. Die Samurai wurden angewiesen, genealogische Tabellen anzufertigen und wurden danach als „Kei mochi“ 系持 klassifiziert. Kei Mochi bedeutet, eine Familienlinie zu besitzen. Bauern, die keinen Stammbaum besaßen wurden als „Mukei” 無系 klassifiziert, also Leute ohne Familienlinie. Sozialer Status innerhalb der Gesellschaft der Ryūkyūs wurde aufgrund solcher Stammbäume geklärt.
Hachimaki. Farbe und Stoff dieser "Kopfwickel" waren für die jeweiligen Ränge genau festgelegt. Abkömmlinge von SamuraiRang gehörten entweder der Kategorie Daimyō 大名 oder Samurai 士 (侍) an. Ōshi 王子 (Königssohn, Prinz), Anji 按司 (Fürst) und Oyakata 親方 (Stadtoberhaupt bis Minister) gehörten zur Daimyō Kategorie und damit zu den höchsten Machthabern. Ihnen wurde ein Zuständigkeitsbereich unterstellt, genannt Magiri 間切, welches analog zu den heutigen Städten oder Dörfern war. Ausgedehnte Residenzen, in denen Prinzen oder Anji lebten, nannte man Udun 御殿 ("Kontrollpalast") und Residenzen für die Oyakata-Klasse nannte man Dunchi 殿内. Samurai aus wichtigen Daimyō-Familien nannte man Satunushi Sujime[2] 里之子筋目, was etwa soviel wie "Dorfoberhaupt aus günstigem Kreise" bedeutet. Sie wurden auf wichtigen Posten angestellt die höheren Samuraiabkömmlingen entsprechen. Die übrigen Samurai wurden Chikudun Sujime 筑登之筋目 genannt und mit allgemeinen Verwaltungsaufgaben als niedrigere Samurai angestellt. Zu den Chikudun Sujime gehörten auch Angehörige der Bauernklasse, die durch besondere Verdienste in Rang und Namen gehoben wurden, auch wenn sie ursprünglich keinen Stammbaum nachweisen konnten. Dementsprechend bedeutet Chikudun soviel wie "zu Amt und Würden aufgestiegen." Die einfachen Bauern wurden weiter unterteilt in die Stadtbauern, die um Nahaund Shuri herum lebten und mit Handel und Industrie beschäftigt waren sowie die Landbauern, die auf dem Lande lebten und sich nur mit Landwirtschaft beschäftigten.
Info: Kanshokusei - Die Organisation des Staatsdienstes in Ryūkyū
Anji 按司 (Fürst) Daß die Bewohner Okinawas durch zwei Waffenverbote sozusagen "zwangsbefriedet" wurden, ist bekannt. Das erste Waffenverbot sprach König Shō Shin im 15. Jahrhundert aus, und obwohl es sich dabei um eine "staatliche Bevorratung" handelte und nicht um einen komplette Entwaffnung, war Ryūkyū ein friedliches Königreich, dass sich auf den Handel spezialisiert hatte und - abgesehen davon, dass man wie in aller Welt von Methoden des Ringens und des bewaffneten Kampfes zu verschiedenen Zwecken und zur Kurzweil ausgehen kann - keinerlei militärische Ambitionen hatte. Dies ist nicht verwunderlich im Angesicht der Militärmacht Japans oder Chinas. Nach der Satsuma Invasion 1609 verfügten auch die Satsuma ein erneutes Waffen- und Kampfverbot. Meist werden diese beiden historischen Ereignisse als Ursprungsmomente des Karate angenommen. Welchen Einfluß jedoch hatten diese Besonderheiten auf Entwicklung und Merkmale des Kobudō? Ein unvollständiger und unkonventioneller Ansatz: Kapitän Basil Hall berichtete Napoleon im Jahre 1816 darüber, daß die Okinawesen keine Waffen besäßen. Basil Hall's komplett positive Sicht Okinawa’s wurde von seinen Nachfolgern als Besucher Okinawas nicht ganz bestätigt. Daran jedoch waren diese selbst schuld; sie taten auf der Insel was sie wollten, besuchten Orte, die sie nicht besuchen sollten usw. Auch wollten sie den Inselbewohner das Christentum näherbringen. Es ist also nur verständlich daß ihnen nicht dieselbe freundliche Behandlung widerfuhr wie Basil Hall. Doch Basil Hall's Bericht gibt nur das wieder, was die Okinawesen ihm vorspielten; und das entsprach nicht alles der Realität. Charles Gutzlaff schrieb 1834 in seinem "Journal of Three Voyages" (London 1834): "They are, however, by no means those simple and innocent beings which we might at first suppose them to be. Upon inquiry we found that they had among them the same severe punishments as at Corea; that they possessed arms likewise, but are averse to use them." Anhand von Gutzlaff ist hier also historisch nachweisbar, daß im 19. Jahrhundert auf Okinawa Waffen vorhanden waren und offensichtlich auch nicht versteckt wurden.[3] Allerdings zeigt keines der Bilder der alten Reisebeschreibungen Okinawesen mit Waffen. Auf der anderen Seite scheint es wie Selbstmord ohne eine bis an die Zähne bewaffnete Schutztruppe mit einem Schiff voller Tribut an den chinesischen Kaiser an Bord nach China zu segeln. Doch: die sogenannte Piraten waren eigentlich Schmuggler, und der Schmuggel mit China wurde zu einem großen Teil von Satsuma ausgesteuert, welches sich darüber einige nötige Finanzspritzen holte. Somit standen die Tributgesandschaften nicht nur unter dem Schutz Chinas, sondern auch unter dem Schutz von Satsuma, die mit den Wako genannten "Piraten" im Bunde standen. Man kann trotz allem davon ausgehen, daß von bestimmten Personenkreisen in Ryūkyū Blankwaffen benutzt wurden. Vor allem Schutzpersonal für Tributmissionen sind hierbei zu berücksichtigen, und auf Okinawa selbst muß es einige Fachleute für die eventuelle Verteidigung gegen Piratenübergriffe gegeben haben. Nakamoto Masahiro berichte über eine zwei-endige Naginata, das Stück ist jedoch ein Kriegsverlust. Nachgewiesen jedenfalls ist die Schwertmethode des Jigen-ryū (Okinawa no Bugi, Ryukyu Shinpo, 1914) sowie verschiedene Hellebarden, wie sie auf Gesandschaftsdarstellungen zu sehen sind. Pfeil und Bogen fanden sich in einem Tempel zu Andenken an Minamoto Tametomo, aber ihr Gebrauch scheint auf Okinawa keine Verbreitung gefunden zu haben. Ein großer Teil der Kampfmethoden wurde jedenfalls innerhalb kultureller Betätigungen gelehrt und vorgeführt, und tatsächlich scheint der Stock die Waffe gewesen zu sein.
Junger Mann aus Naha. [4] Die Haarnadel deutet darauf hin, dass er von Rang war. Die Bildunterschrift aus dem Original von 1886 lautet: "Liu-Kiuan of Napaha-Kiang." Die okinawesischen Begriffe Udun und Dunchi beschreiben die Haushalte oder herrschaftlichen Anwesen der höheren Adeligen im Ryūkyū Königreich, wie Anji oder Oyakata. Die Begriffe Udun und Dunchi finden sich häufig in den Namen des Ryūkyū Adels, bspw. bei Ginowan Dunchi, einem Studenten von Sakugawa. Die Namensteile Udun und Dunchi deuten immer auf einen hohen Rang hin, ähnlich dem eines Fürsten. Udun bedeutet wörtlich Palast und die Kanji werden auf Japanisch Goten gelesen. Die japanische Übersetzung (Goten = Palast) scheint den Punkt jedoch nicht wirklich zu treffen. Tatsächlich beschreibt der Begriff Udun die herrschaftlichen Residenzen der Anji (Feudalfürsten) und Prinzen, und nicht explizit den königlichen Palast. Dunchi hingegen beschreibt die Herrenhäuser der Oyakata- und Pechin-Klasse. Die okinawesische „Samurai“-Klasse gliederte sich aufsteigend in: - Chikudun Pechin (wie Chinen Andaya) - Satunushi Pechin (wie Sakugawa) - Pechin (wie die Person des Hama Higa Pechin) Die „Daimyō“-Klasse gliederte sich aufsteigend in: - Oyakata (Stadtoberhaupt bis Minister) - Anji (Feudalherren) - Oji (Söhne und Brüder des Königs)
Der Prinz von Loochoo Es scheint, dass die Udun nicht mit der Samurai-Klasse (Pechin) von Ryūkyū in Zusammenhang stehen. Vielmehr stehen sie in Verbindung mit der Klasse der Ryūkyū-Daimyō, d.h. Ōji (Prinzen), Anji (Fürsten) und Oyakata (Stadtoberhäupter). Die Verbindung dieser Klassen zum Ryūkyū Kobudō zeigt sich z.B. im Namen der Kata Yaka no Sai, die auch Hama Udun Yakaa no Sai genannt wird, also entsprechend obiger Beschreibung die "Sai Kata des Strandpalastes von Yakaa." Die frühesten Protagonisten des historischen Ryūkyū Kobudō waren Leute von Rang innerhalb des Klassensystems des Ryūkyū Königreichs. Sakugawa war Satunushi Pechin, auch Chatan Yara soll ein angesehenen Posten innegehabt haben. Ginowan war eine Art Fürst, Soeishi wurde der Beiname Udun wir auch Dunchi gegeben, und ist damit weit oben in dieser Hierarchie anzusiedeln. Der Verwalter der Insel Hama Higa war ein Pechin. Mitglieder der frühen Kogusuku (Kojo) waren Oyakata und Pechin. Das Ufuchiku-den stand ebenfalls in Beziehung zu höheren Rängen, wie auch Bushi Matsumura und Tawada Pechin. All diese Leute vertraten administrative und/oder quasi-militärische Funktionen innerhalb des Ryūkyū-Königreichs, vom Straßenpolizisten bis zum königlichen Gesandten. Eku, Bo, Sai und Tunfa Kata wurden aus der Zeit des Ryūkyū-Königreichs überliefert. Anhand der Zuordnungen der Kobudō-Kata mit den Rängen ihrer Begründer läßt sich feststellen, daß der Bo in allen Klassen zu finden ist und wahrscheinlich sozusagen die Einstiegswaffe für Beamte im königlichen Dienst war. Von den Sai ist bekannt, daß sie sozusagen "der Ausweis" höherer Autoritäten waren und bis hin zu den Angehörigen der königlichen Familie Verwendung fanden. Es ist zu vermuten, daß okinawesisches Beamtentum und Adel zu jener Zeit eine "kleine Welt" war und all jene alten Protagonisten irgendwie in einer wie auch immer gearteten Verbindung standen.
Die Burg von Shuri [1] Im Japan der Tokugawa-Zeit wurde das Ständesystem von Bushi, Bauer, Handwerker und Kaufmann "Shi Nō Kō Shō"士農工商 genannt. [2] Satunushi wird meistens 里之子 geschrieben, manchmal aber auch 里主. [3]Gutzlaff's Bericht zeigt auch das okinawesische Bewußtsein bezüglich der Anwesenheit der Metsuke, der japanischen Spione, wobei Gutzlaff nicht wußte, was das Verhalten bedeutete. Dem heutigen Leser – entsprechende Fachkenntniss vorausgesetzt – wird dies durch Gutzlaffs Beschreibungen bestimmter Verhaltensweisen jedoch klar. [4] Guillemard, Francis Henry Hill (1852-1933): The Cruise of the Marchesa to Kamschatka and New Guinea with Notices of Formosa, Liu-Kiu & Various Islands of the Malay Archipelago. Band 1. John Murray, London 1886. Es existiert auch ein zweiter Band. Band 1 enthält zwei Kapitel über „Liu-Kiu“ (Ryūkyū-Inseln - Okinawa) auf insgesamt 48 Seiten sowie den Anhang „Notes on Liu-Kiu“ auf 22 Seiten. Folgeausgaben: 1888 u. 1889, Scribner & Welford, New York, 455 S. - 1889, John Murray, London, 455 S. |